Grußworte des Bundesvorsitzenden der Kommunistischen Jugend Österreichs (KJÖ) an die TeilnehmerInnen des CENA Camps

 

Liebe Genossinnen und Genossen!

Zu aller erst möchte ich betonen, dass es mich sehr freut, euch im Namen der Kommunistischen Jugend Österreichs begrüßen zu dürfen. Es ist uns eine besondere Ehre, dass wir das diesjährige CENA-Camp unter dem Motto „The main enemy is at home! 100 years after World War One we still struggle against imperialism and for peace“ hier in Österreich abhalten dürfen.

Im Jahr 1918 endete der Erste Weltkrieg, das ist heute auch für die bürgerliche Geschichtsschreibung unbestritten. Doch in vielen Punkten unterscheidet sich die Geschichte, die die Herrschenden zu zeichnen versuchen, von der historischen Wahrheit ganz wesentlich.

Sie reden davon, dass Europa in diesen Krieg hineingeschlittert wäre und, dass es nach dem Attentat auf den Thronfolger Österreichs-Ungarn nur zu einer Verkettung unglücklicher Umstände gekommen sei. Denn den Krieg hätte in Europa ja niemand so richtig gewollt. So in etwa erklären uns die Herrschenden in den offiziellen Schulbüchern, wie es zur Entfesselung des Ersten Weltkriegs gekommen sei. Doch dies soll nur den eigentlichen Charakter dieses mörderischen und kriegerischen Treibens verschleiern. Lenin stellte in seiner Schrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ folgerichtig fest, dass „der Krieg von 1914 bis 1918 auf beiden Seiten ein imperialistischer Krieg war, ein Krieg um die Aufteilung der Welt, um die Verteilung und Neuverteilung der Kolonien [und] der ‚Einflusssphären‘ des Finanzkapitals.“ Die Monopolbourgeoisie hatte also handfeste Interessen, die es mit einer möglichst aggressiven Kriegs- und Expansionspolitik zu erobern galt.

Sowohl in Österreich als auch in Deutschland unterstützte die Sozialdemokratie den Kriegskurs der Herrschenden, in dem sie Kriegskredite bewilligte und einen „Burgfrieden“ mit der Bourgeoisie geschlossen hatte. Die sozialdemokratische Führung, die längst nationalistische und imperialistische Standpunkte eingenommen hatte, schwächte mit ihrem historischen Verrat die internationale ArbeiterInnenbewegung massiv. Lenin entgegnete dieser sozialchauvinistischen Haltung, dass der Kampf für den Frieden gleichbedeutend mit dem Kampf gegen die jeweils eigene Bourgeoisie sein musste. Denn „in keinem Lande darf der Kampf gegen die eigene, am imperialistischen Krieg beteiligte Regierung vor der Möglichkeit haltmachen, dass dieses Land infolge der revolutionären Agitation eine Niederlage erleidet. Eine Niederlage der Regierungsarmee schwächt die betreffende Regierung, fördert die Befreiung der von ihr geknechteten Völkerschaften und erleichtert den Bürgerkrieg gegen die herrschende Klasse.“

Der ArbeiterInnenklasse Russlands unter der Führung der Bolschewiki gelang es mit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution die Macht im Staat zu erobern und mit dem Aufbau des Sozialismus zu beginnen. Und damit kommen wir zu einem weiteren und dem wohl überhaupt wichtigsten Bestandteil der Geschichte des Ersten Weltkriegs, der in der heutigen Geschichtsschreibung kaum Aufmerksamkeit zukommt. Nämlich dem historischen Faktum, dass im Zuge des Ersten Weltkriegs die bis zu dieser Zeit unangefochtene weltweite Dominanz des Kapitalismus zerbrach, die ArbeiterInnenklasse und mit ihr die Völker Europas gegen die Herrschenden aufstanden und sie zumindest in einem Land stürzen konnten.

An diese Erkenntnis anknüpfend können wir mit der Losung Karl Liebknechts „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ nicht nur die richtigen Lehren aus der Geschichte ziehen, sondern wir müssen sie auch als unsere Grundlage für den heutigen Kampf gegen Imperialismus und für Frieden begreifen.

100 Jahre nach dem Ende der Menschheitstragödie des Ersten Weltkrieges kämpfen die imperialistischen Blöcke mit zunehmender Härte um Macht und Einfluss auf der Welt. Und dort wo der ökonomische Druck nicht ausreicht, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen, steht der militärische Arm der imperialistischen Metropolen Gewehr bei Fuß. Der Imperialismus hat insbesondere in den Ländern Nordafrikas sowie des Nahen und Mittleren Ostens eine Spur der Verwüstung hinterlassen und damit Abermillionen Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt.

Für uns steht jedenfalls fest, dass eine grundlegende Sicherung des Friedens und der Völkerverständigung mit den imperialistischen Mächten und innerhalb kapitalistischer Wirtschaftsverhältnisse nicht zu machen ist. Nur wenn die Macht des globalen Großkapitals erst zurückgedrängt und letztendlich gebrochen ist, kann auch die Kriegsgefahr nachhaltig gebannt werden. Es ist somit die Aufgabe der revolutionären und demokratischen Jugend der Welt, den Kampf für eine lebenswerte Zukunft jenseits kapitalistischer Ausbeutung und imperialistischer Kriegen zu führen.

Für Welt des Friedens, der Solidarität und des Sozialismus!

Es lebe der proletarische Internationalismus!

Greetings of the Chairman of the Communist Youth of Austria (KJÖ) at the CENA Camps

Dear Comrades!

First of all, I want to stress that I am very pleased to welcome you in the name of the Communist Youth of Austria. It is an honour that we can host this year’s CENA camp under the slogan ‘The main enemy is at home! 100 years after World War One we still struggle against imperialsm and for peace’.

In 1918, World War One came to an end. That is an indisputable fact. But in many respects, the ruling class has formulated a narrative of the historic events which deviates fundamentally from reality.

They talk about Europe accidentally ‘drifting’ into a war and that after the assassination on the heir to the throne of the Austrian-Hungarian monarchy, an ‘unfortunate’ chain of events was triggered, but that ultimately no one truly wanted a war in Europe. The ruling class tries to explain the unleashment of World War One in the official textbooks at schools. But this disguises the true, murderous and warmongering policies. Lenin correctly asserts in ‘Imperialism as the Highest Stage of Capitalism’  that ‘the war from 1914 until 1918 was an imperialst war, waged by both sides, a war for dividing the world, a war for carving-up and carving-up anew the colonies and spheres of influence of Finance Capital’. The monopoly bourgeoisie therefore had tangible interests they had to tackle,that is, through an aggressive policy consisting of expansionism and war.

In Austria, as well as in Germany, Socialdemocracy supported the warmongering of the ruling class, by approving war bonds and calling for a truce with the bourgoeisie. The leadership of Socialdemocracy, which already had adopted a nationalist and imperialist stance, massively weakened the labour movement with th ineir sellout which was of historical proportions. Lenin confronted this socialchauvinist stance, saying that the fight for peace is identical with the fight against the bourgoeisie of each country. ‘For in no country, the fight against the own government, which is involved in the imperialist war, must stop at the possibility of defeat of that country by virtue of revolutionary agitation. The defeat of the government’s army means weakening the respective government, supporting the liberation of the oppressed people and facilitating of the civil war against the ruling class.’

The Russian working class, under the guidance of the Bolsheviki, seized power through the Great Socialist October Revolution and began the construction of Socialism. And with this, we arrive at another and arguably the most important part of World War One, which is rarely granted attention. Namely, that the uncontested, global dominance of Capitalism was shattered, the working class and the people of Europe rose up against the rulers and achieved to defeat them, at least in one country.

Consequently, we can not only draw the right conclusions regarding history from Karl Liebknecht’s slogan ‘The main enemy is at home’, but we have to establish this as a basis for today’s fight against Imperialism and for peace.

100 years after the human tragedy that was World War One, the imperialist blocks wage battles in a tougher manner for power and influence in the world. And where economical pressure does not suffice, the imperialist centres utilise military aggression. Today’s Imperialism has wreaked havoc in the Middle East and Northern Africa, depriving millions of people of any basis of living.

For us, it is certain that safeguarding peace and people’s mutual understanding and solidarity can not be achieved with the imperialist powers and under the present, economcial system. Only when the power of global capital is fought against, and eventually, broken, the danger of war is permanently banned. It is therefore the task of the revolutionary and democratic youth, to pursue the fight for a future worth living, beyond capitalist exploitation and imperialist war.

 

For a world of peace, of solidarity and of socialism!

 

Long live proletarian Internationalism!